Für die kommenden 7 Jahre (bis ca. 2032) erwarten Experten eine weiter steigende Zahl an Nachfolgefällen, da die zweite Hälfte der Babyboomer dann in den Ruhestand geht. Das Thema wird also eher an Brisanz zunehmen. Gleichzeitig stehen die genannten Herausforderungen – Generationswechsel, Fachkräftemangel, Investitionsstau, etc. – weiterhin im Raum und könnten sich sogar verschärfen, wenn keine gegensteuernden Maßnahmen greifen. Bis 2030 dürfte der Nachfolgedruck seinen Höhepunkt erreichen. Das Angebot an übergabewilligen Betrieben wird auf ein Rekordniveau steigen (in Bayern z.B. über 60.000 attraktive Firmen in diesem Jahrzehnt ). Die Nachfrageseite (Nachfolger) hingegen wächst nicht im gleichen Maße. Generationenbedingt kommen weniger Jungunternehmer nach; zudem haben wir es mit einer Werteverschiebung zugunsten von Sicherheit und Work-Life-Balance zu tun, was die Neigung zur Selbstständigkeit beeinflusst. Sollte dieser Trend anhalten, könnten immer mehr kleinere Betriebe mangels Nachfolge vom Markt verschwinden. Bereits heute erwägen etwa 3 % der Mittelstandsinhaber, ihren Betrieb stillzulegen, falls bis 2024 keine Nachfolge gelingt – das entspricht ca. 97.000 Unternehmen in Deutschland . Im Handwerk warnt man, dass bis 2045 nahezu jeder zweite Handwerksbetrieb betroffen sein könnte, sofern keine Lösungen gefunden werden .
Dennoch gibt es auch Chancen am Horizont: Die Nachfolgegeneration – so klein sie sein mag – besteht oft aus gut ausgebildeten, motivierten Leuten, die frischen Wind in traditionelle Betriebe bringen können. Zwei Drittel aller Handwerksübernahmen verlaufen laut Handwerkskammern wirtschaftlich erfolgreich, und über die Hälfte der Übernehmenden schafft es, die Umsätze des übernommenen Betriebs sogar zu steigern . Zudem rücken vermehrt Frauen und Quereinsteiger als Nachfolger nach, was neue Potenziale eröffnet (knapp 18 % der Nachfolger im Handwerk sind weiblich, Tendenz steigend ). Auch die Politik und Wirtschaft haben die Problematik erkannt und verschiedene Maßnahmen ergriffen, um den Übergabeprozess zu unterstützen – diese werden im nächsten Abschnitt betrachtet.